Der Elefantenmensch

von Bernard Pomerance
Theater am Kürfürstendamm, Berlin
Titelrolle, Regie: Ulrich Simontowitz

„Und dann ist da noch Victor Schefé als John Merrick. Seine Rolle ist schon sprachlich ein Kraftakt, aber wie er es schafft, uns ohne Maske den Elefantenmenschen sichtbar werden zu lassen, wie er mit wenigen Gesten und etwas Mienenspiel all das Leid, die Sehnsucht und die Freuden eines Todkranken darstellt das ist ein Genuß ganz seltener Art.“

 

Zitty (Stefan Buchenau) 15/91

„Schefé öffnet mit seiner Figur so viel andere Welt, fesselt Denken und Fühlen so nachhaltig, daß die bekannte Welt mit ihren Eitelkeiten an Wichtigkeit verliert. Die keusche Liebe wird so beeindruckend gespielt, daß es ein Bild später Schefé gelingt mit der leisen Frage „Warum kommt sie nicht zurück?“ die ganze Tragödie Merricks wiederzugeben. Dieser Abend war Schefés Abend.“

 

Berliner Zeitung (Julia Michelis) 25.06.1991

„Wenn der Elefantenmensch sich dann endlich den Blicken der Zuschauer aussetzt, sehen wir keine bizarr zurechtmaskierten Deformierungen, sondern einen Schauspieler der die Häßlichkeit spielt, genauer: der vermitteln kann, wie ein Mensch sich fühlt, der seine abschreckend Wirkung kennt. Victor Schefé ist berührend und großartig in seiner Demut in der unendliche Traurigkeit liegt.“

 

SFB – Galerie des Theaters (Rhode) 23.06.1991

„Anders als im Film trägt er hier keine Maske, und das ist gut so. Mit atemberaubender Gesichtsakrobatik mimt Victor Schefé allein mit den ehrlichen Mitteln seiner körperlichen Ausdruckskunst.“

 

Die Tageszeitung (baal) 05.07.1991

 

„Wenn der Verunstaltete dann endlich gezeigt wird, sitzt er im Frack in der Badewanne. Mit gehetztem Blick lallt und lispelt Victor Schefé, schlürft und sabbert, stammelt und stöhnt, kaut und krächzt. Er ist von trübseliger Sanftmut wie ein Märtyrer. Bastelbesessen arbeitet er an einer Modellkirche. Wie ein verzückter Schüler inhaliert er seine erste Zigarette und starrt neugierig auf die Brüste der Frau, die vor ihm ihre Korsage löst. Diese linkisch traurige Romeo-und-Julia-Szene ist ein Höhepunkt des Abends.“

 

BZ (Claus B. Maier) 24.06.1991

Der Elefantenmensch

CLOWNS IN THE KITCHEN

von Jeff Hagedorn
Deutschsprachige Erstaufführung – Ensemble Theater, Berlin
Rolle: Ken, Regie: Donald Berkenhoff

„Victor Schefé zeigt als Ken seine Verletztheit ohne jedes Selbstmitleid. In den schlimmsten Momenten der Figur sitzt er da, als hätte er keine Haut mehr auf dem Körper. Wenn er den Überfall schildert erschüttern am meisten die Scham und Demütigung, die er erfahren hat. Schefé hat die Erwartungen an sein Talent nach dem „Elefantenmenschen“ erneut bestätigt.“

Berliner Zeitung (Julia Michelis) 20.01.1992

„Clowns in the Kitchen“ ist ein wichtiges und sehenswertes Stück. Es lebt von diesen intensiven Augenblicken, die vor allem Victor Schefés Darstellung des Ken zu verdanken sind.“

Magnus (Axel Schock) 02/1992

 

Clowns In The Kitchen

TOTE MUTTER

von David Greenspan
Deutschsprachige Erstaufführung – Stükke Theater
Rollen: Onkel Saul & Alice B. Toklas, Regie: Donald Berkenhoff

„Greenspan’s Stück läuft gegen jede Logik und konservative Theaterdramaturgie. Berkenhoff hat das Potpourri aus Scherz, Ironie und tieferer Bedeutung mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln aufgerührt – nicht zuletzt dank eines genau geführten Ensembles, aus dem Andreja Schneider als quasselige Maxine und Victor Schefé als Onkel Saul hervorragen. Sein Monolog im Rollstuhl über eine Zahnarzthelferin und Mikrobenkolonien in Mundhöhlen funktioniert beinahe wie ein Stück im Stück und wird bei Schefé zu einer Endzeitvision, die für einen Moment die Komik in schieres Grauen um schlagen lässt.“


Magnus
 (Axel Schock) 06/1993

ANGELS IN AMERICA

von Tony Kushner
Deutschsprachige Erstaufführung – Schauspielhaus Wien
Rolle: Louis Ironson, Regie: Hans Gratzer

„Victor Schefé spielt den Louis, und das ist schon ein kleines Kunststück. Er gibt einen, der noch Mitleid erhascht, wo er Leid zufügt. Er schnieft, fuchtelt. Alle Gefühle entäußern sich in Geste, Mimik. Das gälte als Outrage – wäre es nicht der Charakter, der hier beständig übertreibt in Haß und Liebe.“

Die Presse, Wien (Bettina Steiner) 16.01.1995

„Besonders stark der gänseschnütige Vicior Schefé. Blond ist Schefé schmal, nicht sehr groß, keine Schönheit. Seine Augen sind beredt wie seine Finger. Sie können schmollen und ängstlich flirten sie können bitten und betteln; sie können peitschen und prusten. Entschuldigungen, halbherzige, sind ihre Spezialität. Wut und Liebe wird Schefé zur Ekstase.“

Süddeutsche Zeitung (C. Bernd Sucher) 16.01.1995

Angels in America

HYSTERIA

von Terry Johnson
Deutschsprachige Erstaufführung – Schauspielhaus Wien
Rolle: Salvador Dalí, Regie: Gerhard Willert

„Mit Victor Schefé als Dalí hätte Monty Python seine Freude.“

Kronenzeitung (Thomas Gabler) 29.04.1995

„Gerhard Willert hat im Wiener Schauspielhaus mit leichter Hand inszeniert, mit exzellenter Besetzung: Rainer Frieb als Freud, Sylvana Krappatsch und der brillante Victor Schefé als Dalí.“

Volksblatt Wien (Renate Wagner) 29.04.1995

„Als Maler Dalí brilliert Victor Schefé als personalisierter Surrealismus.“

Täglich Alles, Wien 29.04.1995

Hysteria

ALMA – A SHOW BIZ ans Ende

von Joshua Sobol
Uraufführung – Wiener Festwochen
Rolle: Walter Gropius, Regie: Paulus Manker

„Helmut Berger ist als kraftloser Gustav Mahler ebenso subtil wie Victor Schefé in der Rolle von Almas zweitem Mann Walter Gropius stürmisch und schwärmerisch.“

Salzburger Nachrichten (Julia Kosbach) 03.06.1996

„Man wandert mit den Komödianten in den Garten, in den Keller, in plüschig eingerichtete Salons. Die Schauspieler werden vor die schwierige Aufgabe gestellt, vom Stand aus die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu fesseln. Helmut Berger als Gustav Mahler und Victor Schefé als Walter Gropius gelingt das am besten.“

Täglich Alles, Wien (Paul Kruntorad) 03.06.1996

Alma

SERGEJ

von Alexander Widner
Uraufführung – Steirischer Herbst, Schauspielhaus Graz
Titelrolle, Regie: Christian Stückl

„Allein Victor Schefé triumphiert an diesem Abend: Sein Kron ist ein verstörend schillernder Verbalterrorist mit infantil-böser Dimension. Assoziationen zu Kinski, Brandauer oder an den Natural Born Killer Woody Harrelson kommen auf.“

Kleine Zeitung (Frido Hütter) 28.09.1998

„… Victor Schefé aus Berlin: ein junger blonder Schauspieler mit markanten Gesichtszügen und züngelndem John-Malkovich-Mund. Er schmeißt sich in die Rolle als gelte es sich selbst zu retten. Er ist der kleine Prinz, der Richard III. sein möchte, ein yuppiehafter Zyniker, der die Welt dafür haßt, daß es ihn selbst darin gibt. Schefé spielt das irgendwo zwischen Klaus Kinski und Oskar Werner, sehr intensiv, mit kaltem Wahnsinn und komischem Trotz. Retten aber kann er nichts damit, außer seiner eigenen Würde als Schauspieler vielleicht.“

Süddeutsche Zeitung (Christine Dössel) 29.09.1998

„Der meiste des sonst überaus schütteren Applauses galt zu Recht dem Hauptdarsteller Victor Schefé, der einen in seiner Intensität an Gert Voss‘ Richard III. erinnerndes, eindrucksvolles Graz-Debüt gab.“

Die Neue Furche (Harald Halsmayr) 01.10.1998

„Als Zerrbild der Gesellschaft scheint mir die Grazer Aufführung weitgehend gelungen. Nicht zuletzt durch die faszinierende Darstellung des Protagonisten Kron durch den jungen Victor Schefé.“

Theater der Zeit 06/1998

„Victor Schefé in der Titelrolle absolviert eine Tour de force des ganz und gar ungenierten schauspielerischen Exhibitionismus.“

 Nürnberger Nachrichten (Paul Kruntorad) 30.09.1998


„Selbst das zweistündige Bühnenfurioso Victor Schefés war nicht imstande, Widners Pappkameraden Leben einzuhauchen.“

Berliner Zeitung (Thomas Götz) 30.09.1998

„Kaum ein Schauspieler kann das Gesicht so kunstvoll zu Grimassen des Ekels verziehen wie Victor Schefé.“

Theater heute (Wolfgang Kralicek) 11/98

„Regisseur Christian Stückl konzentriert das Geschehen gänzlich auf die Stalin zitierende Titelpartie. Und Victor Schefe vermag dies trotz extrem kurzer Vorbereitungszeit (Paulus Manker war erst vor wenigen Wochen aus der Produktion ausgestiegen) zu nutzen: ein Großmeister der Blasphemie und Respektlosigkeit, ein größenwahnsinniger Kasper ordinär, ein „Menschenschwamm“. Sein Changieren zwischen Infantilität und dämonischer Unberechenbarkeit hat Klasse.“

Salzburger Nachrichten (Martin Behr) 28.09.1998

„Den Kron gibt mit bewundernswertem Einsatz und erstaunlicher Sprach-Nuancierung Victor Schefé: Ein Gesicht von diabolisch-spitzbübischer Janushaftikeit.“

Neue Kronenzeitung (Bernd Schmidt) 28.09.1998

Victor Schefé

BUMPS N GRINDS

Bar jeder Vernunft, Berlin
Rolle: Mr. Richard Smoker, Regie: Andreja Schneider

„In der Regie von Andreja Schneider präsentiert Mime Victor Schefé als Nachtclub-Conférencier Mr. Richard Smoker seine hübsch-appetitlichen Pussycats: »The Teaserettes«, Deutschlands erste New Burlesque-Gruppe… Heimlicher Star auf der glitzernden Flitter-Bühne ist Victor Schefé. Mit pomadisiertem Haar und rauchigem Bass die Inkarnation des leicht anrüchigen Gogo-Bar-Betreibers. Wenn er dann auch noch singt, hält man den Atem an.“

Berliner Morgenpost (Ulrike Borowczyk) 01.12.2005

BELIEBTE GESICHTER, DIE MAN ÖFTER IM TV SEHEN WILL

„Stimmt schon, man hat das Gefühl, bei ARDZDFRTLSAT1 die ewig gleichen Gesichter in den ewig gleichen Rollen zu sehen. Zur Abwechslung auf allen Kanälen hat die BILD-am-SONNTAG-Redaktion nach ausschließlich subjektiven Kriterien genau diese Fernsehgesichter ausgesucht, für die wir den Fernseher garantiert wieder einstellen würden:

Victor Schefé (45) Weil ein solches Charaktergesicht wie dieses im deutschen Fernsehen schwerlich zu finden ist. Mal fies („Polizeiruf“), mal lustig („Bewegte Männer“), mal eiskalt („Borgia) – und immer so, dass man ihn nicht vergisst.

BILD am SONNTAG 27.10.2013

BORGIA

von Tom Fontana
Canal+ – 2010-2014 (3 Staffeln)
Rolle: Johann Burchard, Regie: Oliver Hirschbiegel, Metin Huseyin, Dearbhla Walsh, Christoph Schrewe, Athina Tsangari

„ Als Zeremonienmeister des Papstes kühlt man das eigene Blut herunter bis zum Frost, man schaut mit Tunnelblick – Gott und die Welt behält man strikt im Auge. Und spricht mit schwerer deutscher Zunge, was ja im ZDF nicht weiter auffällt, weil die Tumulte um den Papst hier ohnehin ins Deutsche übersetzt wurden. Eigentlich ist „Borgia“ auf Englisch gedreht, und Johann Burchard ein Lakai, der ziemlich dämonisch aussieht. Filigran gespielt wird dieser blasse Kerl von Victor Schefé, einem Mann, der das Stoische dieser Rolle bis zum Anschlag ausreizt … jemand, der einen doppelten Boden hinter die eigene Fassade zieht.“

Märkische Allgemeine Zeitung 22/23.10.2010 (Lars Grote)

„Wieder ist hier das Geheimnis der Seriengewalt zu spüren. Wer drin ist, ist drin und beginnt, sich nicht mehr für die Einwände von draußen zu interessieren. Wie geht es weiter, wird wichtiger als die Frage, ist es auch glaubhaft, was ich sehe. Und als derart Verhexter muss man zwei deutsche Nebendarsteller loben: Der Berliner Sebastian Urzendowsky spielt mit Ponyfrisur und bübisch verschlagen Juan Borgia Lanzol, eine besonders fiese Kardinalssocke aus dem Clan. Und wer sich an Otti Fischers „Pfarrer Braun“ mit dem bigotten Bischofsgehilfen Monsignore Mühlich erinnert, bemerkt, dass Victor Schefé im gleichen Geist bei den Borgias den Zeremonienmeister gibt. Formale Seriosität im Angesicht des Intrigantenstadels der vor dem Papst tagenden Kardinäle wirkt so lächerlich wie deren Gewänder mit den Weihnachtsmannhüten. Das rote Geistlichengremium ist zum Gesindel verkommen. Hier scheinen Lichtblicke auf, die das ganze Unternehmen für ein wenig Ironie und Komik hätte öffnen können. Auch der wirklich ausgezeichnete Rodrigo-Darsteller Doman („ER“, „The Wire“) hat erkennbar die schauspielerische Fähigkeit für den doppelten Boden…“

Der Tagesspiegel 30.09.2013 (Nikolaus von Festenberg)

„… Ebenso wichtig wie ein Maximum an – historisch selbstredend belegbarer – Körperlichkeit, wie Tom Fontana beschwört, ist allerdings ein Casting, das allen Zielmärkten ausreichend Rechnung trägt. Der „The Wire“-Star John Doman beliefert als Rodrigo Borgia erneut den amerikanischen, Assumpta Serna als seine mächtige Mätresse den spanischen, Mark Ryder als gemeinsamer Sohn den britischen. Und aus Deutschland: Isolda Dychauk als durchgehend bedeutsame Papst-Tochter Lukrezia oder Victor Schefé, dessen Zeremonienmeister Johann Burckhardt nur scheinbar eine Nebenrolle spielt.

Tatsächlich sorgt seine Figur für die schriftliche Überlieferung der ganzen Epoche und somit für den nötigen Kitt in die Gegenwart. „Ich bin das Gedächtnis der Serie“, sagt der versierte Bühnenschauspieler in Birkenstocksandalen zwischen zwei Drehterminen und freut sich spürbar über seine Relevanz. „Erst im Nachhinein ist ja vieles verfälscht worden.“ Durch Päpste und Puristen, Kaiser, Kirchenfürsten und ein bisschen auch durch Tom Fontana – den alten neuen Herrscher des TV-Historienevents.“

Berliner Zeitung 29.09.2013 (Jan Freitag)

Borgia

POLIZEIRUF 110 „Kopf in der Schlinge“

MDR, ARD – 2003
Rolle: Benno Brack, Regie: Hartmut Griesmayr, Produzenten: Dr. Susanne Wolfram & Thomas Bretschneider

„Eine wichtige Rolle scheint zudem der behinderte Nachbar von Maria Steinert, Benno Brack (Victor Schefé), zu spielen, der die attraktive Frau vergöttert und glaubt, er müsse sie beschützen. Selten waren Schmücke-Geschichten so spannend wie diese. Bis zum Ende bleibt unklar, wer hier schuldig ist. Jeder und keiner kommt als Täter in Frage. Die namhaften Schauspieler überzeugen allesamt unter der Regie von Hartmut Griesmayr.

Vor allem gelingt es Victor Schefé, seiner Figur die hintergründige Undurchsichtigkeit zu verleihen, der der Film einen Großteil seiner Spannung verdankt.“

Süddeutsche Zeitung 17.03.2003

Polizeiruf 110 Kopf in der Schlinge, ARD

BEWEGTE MÄNNER

SAT1 – 2003-2005 (3 Staffeln)
Rolle: Walter „Waltraut“ Gutbrod, Regie: Mike Zens, Produzenten: Oliver Berben & Bernd Eichinger

„Rund 60 Tage hat das Team unter Regie von Mike Zens in einem Berliner Studio an den dreizehn Serienfolgen gearbeitet. Jeweils vier Tage wurde geprobt, am fünften ohne Publikum live aufgezeichnet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Comedy-Serie ist schräger als der Film, die Charaktere gekonnt überzeichnet. Nur das Traumpaar ist diesmal ein anderes: Macho Frank (Ingo Naujoks) und seine Waltraud (Victor Schefé) räumen richtig ab.“

TV Spielfilm 05/2003

POST MORTEM – DER NUTTENMÖRDER

RTL – 1997
Rolle: André Lonne, Regie: Wolfgang F. Henschel

„Es ist wohl Segen und Fluch zugleich, wenn man als Schauspieler ein Gesicht hat wie Victor Schefé. Der Segen: dieses asketisch hagere, ausdrucksstarke Gesicht ist unverwechselbar, dieser flackernde Blick der übergroße Mund, dessen Lippen ein akrobatisches Eigenleben zu führen scheinen. Der Fluch: ein solches Gesicht wird in deutschen Casting-Büros unter der Rubrik „Irre und Mörder“ geführt. Wenn also ein „Nuttenmörder“ zu besetzen ist, der obendrein von religiösem Wahn gepeinigt wird, nimmt man so einen wie Victor Schefé.“

Süddeutsche Zeitung 02.05.1997 (Sybille Simon-Zülch)

TATORT „Aida“

BR, ARD – 1996
Rolle: Harald Landau, Regie: Klaus Emmerich, Produzent: Veith von Fürstenberg

„Dazwischen Victor Schefé , der den Rhadames nur als zweite Besetzung spielen darf. Sein Sängermord durch Katzenallergie war in „Aida“ eine wahrhaft altägyptische Idee – und eine Sternstunde im „Tatort“-Repertoire.“

Münchener AZ 09.07.1996 (Ponkie)

„Nein: Mitleid hat man mit diesen Opfern nicht, und eigentlich ist einem auch egal, wer sie gemeuchelt hat – es war, wie man sich denken konnte, die Zweitbesetzung des Radames (Victor Schefé), ein großartig exaltierter Mensch mit geradezu comicartiger Gummi-Mimik -, es läßt emotional so unberührt wie in der Oper, die man ja auch nicht um der echten Gefühlserschütterung will, sondern wegen des musikalischen Kunstgenusses schätzt. Und Kunstgenuß bietet „Aida“ auch als „Tatort“ im Überfluß.“

Kirche und Rundfunk Nr. 54 / 13.07.1996 (Sybille Simon-Zülch)

Victor Schefé

Ich hatte niemals Angst, außer beim Krebs

Einer der genialsten Charakterköpfe unter den deutschen Schauspielern: Victor Schefé.

Er behauptet, privat der „nette Mann von nebenan“ zu sein. No way! Sein Leben wäre die beste Vorlage für einen echten Blockbuster.


Er gehört nicht zu denen, die ein Loblied auf sich selbst singen, oder sich womöglich zu wichtig nehmen. Im Gegenteil: „Ich war nie auf einer Schauspielschule“, gibt der talentierte Darsteller offen zu. „Aber meine letzten Jahre in der DDR waren auch eine Art Ausbildung: Ich musste mich ja verstellen – und zwar komplett“, sagt er. Dieses „Verstellen“ hat Victor Schefé ganz schön weit gebracht, wie man nun sieht: Ab der kommenden Woche ist der Schauspieler im Bond-Abenteuer „Spectre“ (5.11.) im Kino zu bewundern. Und Ende des Monats dann im neuen Drama von Steven Spielberg, „Bridge of Spies“ (26.11.) – nicht schlecht, Herr Specht, äh, Schefé.


Doch bis zu diesen beiden großartigen Rollenangeboten war es ein steiniger Weg. Victor hatte gerade die jahrelangen Dreharbeiten an der Papst-Serie „Borgia“ (als Päpstlicher Zeremonienmeister Johannes Burckard) abgeschlossen. War davon körperlich erschöpft – dann starb seine Mutter. „Ihr Tod hat mich sehr mitgenommen“, gesteht der Schauspieler mit Wohnsitz in Berlin. Sein Gedanke lautete damals nur: „Schauspiel-Gott, jetzt gibst Du es mir aber richtig.“ Aber eben dieser Schauspiel-Gott hat immer dafür gesorgt, dass er nie von dem Weg abkam, der nun zu Bond und Spielberg geführt hat. Denn: Um Geld zu verdienen, musste er ganz andere Jobs annehmen. 1986, nach seiner Ausreise aus der DDR, verdiente er seine Brötchen als Perlenaufzieher bei einem New Yorker Schmuckdesigner oder als Kellner und DJ in Berlin.


Überhaupt: Dass Victor Schefé noch lebt, ist fast schon ein Wunder. Mit 22 erkrankte der gebürtige Rostocker schwer an Krebs – und musste plötzlich um sein Leben kämpfen. Heute erinnert nur noch eine große Narbe an die Zeit der Angst. Doch diese ist nicht nur eine rein äußere. Er gibt zu: „Da kommt man nur mit Macken raus.“ Dennoch, Angst hat er „außer bei der Krebssache“ nie gehabt: „Eine Grundeigenschaft bei mir ist, dass ich angstlos war und bin.“ Ist das der Grund, weshalb er sich nie von seiner Schwerhörigkeit beeinträchtigen ließ? „Ich habe daraus etwas Positives gemacht. Als Schauspieler, der am Theater angefangen hat, konnte ich mich nie auf Souffleure verlassen. Sprich: Ich beherrschte immer meinen Text – und ich konnte meistens auch den Text der anderen. Daher hat niemand erfahren, dass ich halb taub bin.“


All diese Widrigkeiten, all diese Probleme – und trotzdem lehnte der Blonde mit den blauen Augen auch oft genug Filmangebote ab: „Ich wusste, dass ich international keinesfalls mit der Darstellung eines Nazis beginnen will.“ Und weiter: „Ich habe mich sozusagen ‚aufgehoben’.“ Wenn er das sagt, dann blitzt der Schalk in seinen Augen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Mein Gesicht ist gut gealtert, ich habe eine prägnante Stimme.“ Beides hat ihm übrigens immer wieder die Rolle des Bösewichts eingebracht. Sehr zu seinem Gefallen, wie er zugibt: „Der nette Mann von nebenan – das bin ich schon privat. Das würde mich beruflich langweilen.“

IN – Nr. 45 29. Oktober 2015 (Christian Renz)

DAS BESSERE NEW YORK

B.i.N. ist das Regiedebüt des Mannes, der meist die bösen Rollen spielt

Als Zeremonienmeister des Papstes kühlt man das Blut herunter bis zum Frost, man schaut mit Tunnelblick – Gott und die Welt behält man strikt im Auge. Und spricht mit schwerer deutscher Zunge, was ja im ZDF nicht weiter auffällt weil die Tumulte um den Papst hier ohnehin ins Deutsche übersetzt wurden. Eigentlich ist „Borgia“ auf Englisch gedreht, und Johann Burchard ein Lakai, der ziemlich dämonisch aussieht. Filigran gespielt wird dieser blasse Kerl von Victor Schefé, der das Stoische dieser Rolle bis zum Anschlag ausreizt.

 

Nun sitzt er hier im Kino mit braunem Cordjackett und einem aufgeschlossenen Lächeln, als Antithese zum verschlossenen Eigenbrötler aus der Serie „Borgia“, die in 40 Länder verkauft wurde. Schefé sagt, „gerade wird erwogen, eine zweite Staffel nachzulegen. Die Chancen stehen gut“.

 

Er sitzt verträumt auf einem Schemel im Berliner „Babylon“, er redet kurz von „Borgia“, die Intrigenspiele unter der Sonne Roms, die sie vor allem in Prag gedreht haben – doch er denkt an etwas völlig anderes. An „Berlin im November“, seinen ersten eigenen Film. Der Berliner Herbst raubt ihm die Ruhe. Man spürt das nicht, doch Schefé sagt: „Ich bin so aufgeregt wie wohl noch nie in meinem Leben.“ Das Handy klingelt, ein Telefonrasseln wie aus den „Derrick“-Filmen. „Ja Spatz, bis gleich, ich freu mich auf dich“, sagt er mit seinem Bass. „Meine Stimme ist natürlich ein Gabe“, sagt er, „sie ist nicht trainiert, sie ist einfach so tief“, und um genau zu sein: Sie brummt beinahe, herrlich für eine Schurkenrolle. Auch sein Gesicht ist ein Geschenk, für Regisseure immerhin, die einen Irren suchen, einen Mörder, so einen wie Klaus Kinski, mit dem Schefé so oft verglichen wird. Doch er behauptet: „Ich kannte ihn nicht, erst nachdem alle sagten, es gäbe Ähnlichkeiten, habe ich ihn mir angeschaut. Also, seine Tochter Nastassja gefällt mir besser…“

 

Oft spielt Schefé die Freaks, auch Johann Burchard, Päpstlicher Zeremonienmeister, ist so einer, jemand, der einen doppelten Boden hinter die eigene Fassade zieht. „Den Borgia-Regisseur Oliver Hirschbiegel kannte ich schon eine Weile, es wurde Zeit, dass ich nun endlich bei ihm mitspiele. Mein Gesicht passt wohl in die Epoche, ans Ende des 15. Jahrhunderts.“ „Borgia“ ist eine der teuersten europäischen Fernsehserien, doch im Moment hat Schefé nur noch Augen für seinen Independentfilm, seine unabhängige Produktion mit wenig Geld und kleinem Team. „Berlin im November“ ist ein charmant ungeschliffenes Dokumentarstück, über jenen Monat, in dem die Stadt noch etwas missmutiger aus der Wäsche schaut, als sonst. Prominente Freunde wie Annette Humpe oder Dani Levy, aber auch Passanten sagen, was man machen könnte mit diesem Patienten, dem novemberwunden Berlin. Der Ton ist reich, er spannt von „Die Schwaben sollen abhauen“ bis „Eigentlich ist der November doch ganz bunt“. Nein, ausgewogen ist das nicht, aber unterhaltsam allemal. Die Würstchenfrau, die kultivierte Comiczeichnerin, der gut geschminkte Transvestit, das alles ist ein Personal, das sonst kaum eine Bühne in den Kinos kriegt. „Berlin ist das bessere New York“. sagt Victor Schefé, „hier darf man eine Flasche Bier auf der Straße trinken und eine Zigarette rauchen“ – Schefé würde sich jetzt selbst sicher gern eine anstecken, nur noch 30 Minuten bis zur Premiere.

 

Er redet noch ein bisschen von New York, das lenkt ihn ab. Schefé hat dort gelebt, als er 1986 aus der DDR wegging. Abitur haben sie ihn nicht machen lassen, er war kein Anpasser, es gab Ärger mit der Stasi; als er 18 wurde, konnte er das Land verlassen, über den Tränenpalast an der Friedrichstraße. Er erzählt in seinem Film davon, wie er Abschied nahm von der Mutter und den Freunden, mit der Vorstellung sie nie wiederzusehen. „Ich ging nach New York mit meinen 300 Mark, ich wollte Schauspieler werden. Das Geld hat nur für ein paar Tage gereicht, aber ich wusste: Wenn ich es dort schaffe, dann schaffe ich es überall.“ Nach eineinhalb Jahren kam er zurück nach Berlin, in den Westteil der Stadt, pünktlich zum Mauerfall. „Ich habe nie eine Schauspielausbildung gemacht, nicht in New York, nicht in Berlin – die letzten Jahre in der DDR waren Schauspiel genug. Es ging darum, sich zu verstellen, Rollen anzunehmen.“ Im „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ steht er oft auf der bösen Seite, auch im Film „Der Nuttenmörder“ hat er sein Talent zum Dämonischen ausgespielt. Er ist Sohn eines russischen Diplomaten und einer deutschen Journalistin, kam 1968 in Rostock zur Welt und wurde in seinen ersten Filmen gern als Ostblock-Verbrecher besetzt. Was für ein Gegensatz zur freundlichen Seele, die er im persönlichen Gespräch offenbart.

 

„Berlin im November“ läuft am Sonntag auf einem Festival in San Francisco – ob er hinfliegt? „Ich weiß es noch nicht. Eigentlich bin ich viel zu müde nach der Arbeit an meinem ersten Film.“ Doch die Müdigkeit verfliegt während der Filmvorführung. Die Leute klatschen und Schefé, von „Borgia“ ein üppiges Budget gewohnt, ruft in den Saal: „Kommt alle zur Premierenfeier in den Kosmetiksalon Babette! Wir sind ein kleines Team, haben nur wenig Geld, wollen aber richtig feiern.“

Märkische Allgemeine Zeitung 22/23.10.2010 (Lars Grote)

DER BERLINER HERBST ALS POETISCHES STADTPORTRÄT

Schauspieler Victor Schefé gibt mit „Berlin im November“ sein Regiedebüt

„Ganz klar, Berlin ist männlich. Oder lesbisch.“ So ganz sicher ist sich Schauspielerin Alexandra Kamp bei der Antwort auf eine entsprechende Frage von Victor Schefé dann doch nicht. Für ihre Kollegin Suzanne von Borsody hingegen steht fest: Berlin ist eindeutig Zwitter. Für Chantal, Partyveranstalterin und Gastgeberin des „House of Shame“, ist die Stadt ganz schlicht „polymorph-pervers“.

 

Es sind so simple wie ungewöhnliche Fragen wie jene nach Berlins sexueller Identität, die Victor Schefé für sein Regiedebüt Freunden, Kollegen wie auch Passanten auf der Straße stellte. Den ganzen November des Jahres 2009 war der Bühnen- und Filmschauspieler zusammen mit Kamerafrau Anna Pesavento durch die Stadt gezogen, um Auskünfte über Berliner Lieblingsorte und -worte sowie Lebensgeschichten und Momentaufnahmen einzufangen. Über ein Jahr saßen die beiden Filmemacher an 53 Stunden Rohmaterial, um daraus ihre poetischen Liebeserklärungen an Berlin zu fertigen.

 

Am Donnerstag (20. Oktober) wird „B.i.N. – Berlin im November“ im Kino Babylon nun uraufgeführt, drei Tage später feiert der Film beim San Francisco Documentary Film Festival seine internationale Premiere. „Ich langweile mich so schnell. Nur zu drehen oder auf der Bühne zu stehen, das ist mir auf die Dauer zu dröge.“, sagt der Schauspieler, der aus Serien wie „Bewegte Männer“ und „Polizeiruf“ bekannt ist. Und warum ist das Regiedebüt dann ausgerechnet ein Dokumentarfilm geworden? „Ich bin zu faul, um Drehbücher für einen Spielfilm zu schreiben“, gibt er im dapd-Gespräch zu.

 

Diese Direktheit kennzeichnet auch die Gespräche, die Schefé quer durch die Stadt geführt hat und die nun zu bisweilen überraschenden Assoziationsketten montiert sind. Er besuchte die Stadtbücherei am Kottbusser Tor mit Blick auf Junkies und türkische Gemüsehändler, Katzenfreunde auf der Kleintiermesse, filmte auf dem Trödelmarkt und bei einer Tango-Party. Kamerafrau Anna Pesavento interessiert sich bei diesen Exkursionen vor allem für die kleinen, gerne übersehenen alltäglichen Details: Straßenkehrer, die sich mit dem Herbstlaub abmühen, nächtliche Leuchtreklamen oder die brutzelnden Würste auf dem Grill der berühmten Kreuzberger Imbissbude „Curry 36“. Musikerin Annette Humpe verrät im Film ihre Lieblingsspeise: „Berliner Leber mit gebratenen Zwiebeln und Äpfel. Soll man ja nicht so oft essen, aber ein, zwei Mal im Jahr geb‘ ich mir das.“ Offenherziger und überraschender als die Statements der Prominenten sind zumeist zufällig eingefangene Interviews mit Nachtschwärmern und Menschen in der U-Bahn. „Gerade die Leute, die nicht auf uns vorbereitet waren, haben irrsinnig schnell ihr Herz aufgemacht und ohne Scheu los geplappert“, stellt Schefé fest. „Vielleicht lag es daran, dass wir das kleinste Team der Welt waren oder dass die Leute mich kannten und womöglich mochten“.

 

Das Gesicht des gebürtigen Rostockers könnte bis Ende November in ganz Europa bekannt sein. Dann nämlich wird die erste Staffel der internationalen TV-Produktion „Borgia“ in den ersten von über 40 Ländern gesendet sein. Schefé spielt in diesem Historiendrama über den Aufstieg einer spanischen Adelsfamilie in der Renaissance, das seit Anfang der Woche im ZDF ausgestrahlt wird, den päpstlichen Zeremonienmeister.

dapd 19.10.2010 (Axel Schock)

DAS HAT ZEHN JAHRE GEBRODELT

Premiere von „Berlin im November“ im BABYLON

Die besonders begeisterten Berliner – das zeigt auch dieses Beispiel mal wieder sehr anschaulich – sind die Zugezogenen. Solche Leute, wie der Schauspieler Victor Schefé, der 1968 in Rostock geboren wurde und über den Umweg New York schließlich in Berlin landete. Der versucht gerade seinem Regiedebüt „B.i.N. – Berlin im November“ einen guten Kinostart zu bereiten. Am Donnerstagabend wurde die Deutschlandpremiere im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz gefeiert. Kommenden Sonntag ist die internationale Premiere auf dem Dokumentarfilmfestival in San Francisco geplant. In dem Film steckt sein privates Geld: „Etwa die Hälfte meines Honorars für den Mehrteiler ‚Borgia‘ habe ich investiert.“ Und ‚Borgia‘, eine internationale Großproduktion hat ihn immerhin sieben Monate beschäftigt.

 

Wer Schefé nicht kannte, der wunderte sich vielleicht über die üppige Gästeliste seiner Berliner Premiere. Die Schauspieler Andreja Schneider, Alexandra Kamp und Leonard Lansink waren dabei, dazu die Musikerin Luci van Org und Harris. Schefé ist in Kollegenkreisen äußerst beliebt, was in seiner doch schlangengrubenähnlichen Branche keine Selbstverständlichkeit darstellt. Mit Andreja Schneider verbindet ihn besonders viel: Vor fast 20 Jahren produzierten beide gemeinsam die Musikshow „Stars in Bars“, in der Schefé erstmals öffentlich sang.

 

In „B.i.N. – Berlin im November“ befragt der 43-Jährige bekannte und unbekannte Berliner. Der Film hat einen persönlichen Hintergrund: Im November 1986 verließ Schefé im Alter von 18 Jahren durch den Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße die DDR. Anschließend stürzte er sich in ein wildes Leben, arbeitete als Kellner, DJ und Barkeeper. Nun, 22 Jahre nach dem Fall der Mauer, blickt er erstmals mit etwas Muße zurück. Dem Zuschauer begegnen im Film Annette Humpe, Suzanne von Borsody, Dani Levy und andere. Seinen Film sieht Schefé selbst als „Liebeserklärung an eine aufregende Stadt und ihre Menschen“. Schefé, der in der DDR erst Akkordeon lernte und dann Leistungssportler wurde, hat sich bei der Produktion vom Rhythmus der Stadt treiben lassen. Er suchte und fand für seine 93 Minuten Berlin-Film Erhabenes und Skurriles. Was seiner Erfahrung nach in dieser Stadt allerdings auch besonders nah beieinander liegt.

 

Wer die Premiere im Rahmen der Reihe „Neuer deutscher Film“ verpasst hat, kann „B.i.N.“ an den kommenden Abenden ohne die Ablenkung durch den Prominentenauflauf und das damit verbundene Blitzlichtgewitter im Babylon sehen. Dass er für einen Jungfilmer erst im hohen Alter von 43 Jahren zu seinem Regiedebüt kam, erklärt Schefé so: „Ich habe eine lange Zeit gebraucht. Das hat zehn Jahre in mir gebrodelt.“

Berliner Zeitung 21.10.2010 (Andreas Kurtz)

TV-STAR VICTOR SCHEFÉ STELLT SEINEN ERSTEN DOKU-FILM VOR

In seiner Rolle als „Waltraud“ in der Comedy-Serie „Bewegte Männer“ (2003-2005) liebten ihn Millionen Fernsehzuschauer. Doch sein Herzensprojekt ist ein Dokumentarfilm, den er in Eigenregie gedreht hat. „Berlin im November“, seit gestern im Kino. Victor Schefé (43) schließt mit seiner schwulen TV-Vergangenheit ab: „Ich will nicht mehr die lustige Tunte der Nation sein. Immer, wenn ich dachte, irgendwann müssen die Leute „Waltraud“ doch mal vergessen haben, lief irgendwo eine Wiederholung. Und alles ging von vorne los.“

 

Der ehemals „bewegte Mann“ hat auch selbst eine bewegte Lebensgeschichte! Aufgewachsen in Rostock, Ausreise aus der DDR drei Jahre vor dem Mauerfall. „Ich war ein Rebell“, sagt Schefé heute, der damals sein Abitur nicht machen durfte. Den 22. November 1986, Tag seiner Ausreise, nennt er seinen zweiten Geburtstag. Sein dritter sollte kurz darauf folgen. Mit Anfang 20 erkrankt er schwer – und überlebt. „Ich hatte Hodenkrebs, der schon überallhin gestreut hatte. Da habe ich gesagt: Ich kämpfe! Und habe überlebt. Heute habe ich eine Narbe wie ein Reißverschluss vom Hals bis zum Bauchnabel.“ Auch die Tatsache, auf einem Ohr nichts zu hören, hinderte ihn nicht daran Schauspieler zu werden. Mit Erfolg!

 

Als einer der wenigen Deutschen ist er derzeit im ZDF-Epos „Borgia“ zu sehen. „Berlin im November“ ist Victor Schefés grandiose Liebeserklärung an Berlin. Warum gerade im November? Schefé: „Wir sind doch wegen des Mauerfalls alle Novemberkinder…“

BILD Berlin 21.10.2010 (Michael Schacht)

EINE ANDERE FARBE IN DER FERNSEHLANDSCHAFT

„Als ich anfing, Filme zu drehen, war ich meistens der Russe. Und weil es in deutschen Produktionen selten gute Russen gibt, war ich immer der böse Russe.“ Victor Schefé muss selbst ein bisschen schmunzeln, wenn er einen Blick auf seine Filmografie und die bisherigen Rollen wirft. Denn neben dem bösen Russen finden sich da vorzugsweise Psychopathen, Trottel und Mörder. Im „Polizeiruf 110: Kopf in der Schlinge“ (ARD) spielt er wieder so einen Gestörten, der in einer Traumwelt lebt und glaubt, er müsse seine Nachbarin vor dem Unheil der Welt beschützen. „Ich habe auch schon Kommissare gespielt und festgestellt, dass ich es spannender finde, wegzulaufen als hinterher zu rennen.“ Einmal spielte Victor Schefé bislang in einer Familienproduktion. In der späteren Serie „Der kleine Mönch“ (2002) sollte er neben Dirk Bach eine der Hauptrollen übernehmen. Noch vor der Ausstrahlung des Pilotfilms entschied man sich aber doch gegen ihn. „Ich glaube, auch wegen meines Gesichtes“, sagt Schefé und lacht. Oli. P bekam dann später die Rolle. „Da habe ich gedacht, ich war wohl wirklich falsch.“

 

Schefé ist ein Exot im deutschen TV-Einerlei in dem sich angepasste Stars und viele Möchtegern-Sternchen die Füße auf den Premierenpartys platt treten. Der 34-Jährige kann damit bestens leben. „Ich denke, ich bin eine gute Farbe in der Fernsehlandschaft. Und wenn ich nicht der deutsche TV-Star Nummer eins bin, dann ist das auch okay. Ich bin nicht begierig darauf, durch die Straßen zu rennen und erkannt zu werden.“ Das könnte ihm allerdings schon bald blühen, denn SAT.1 sendet im Frühjahr mit „Bewegte Männer“ eine Sitcom, die die Geschichte von Sönke Wortmanns Kinoerfolg „Der bewegte Mann“ weitererzählt. Schefé spielt darin den Schwulen „Waltraud“. „Die schwierigen Zeiten schreien geradezu danach, dass man solche Angebote annimmt“, sagt Schefé und spielt auf die Krise der Film- und Fernsehbranche an. Aber im Gegensatz zu Familienserien biete ihm eine solche Sitcom die Möglichkeit, Fernsehen und Theater zu verbinden.

 

Denn die „Bretter, die die Welt bedeuten“, waren immer schon die Leidenschaft des gebürtigen Rostockers, auch wenn er sich seit 1999 mehr dem Fernsehen widmet. Für seine Auftritte an Häusern in Berlin, Wien und Frankfurt – um nur einige zu nennen – bekam er überwältigende Kritiken. Vergleiche mit Klaus Kinski ließen denn auch nicht lange auf sich warten, ist eine gewisse physiognomische Ähnlichkeit doch durchaus vorhanden. Darauf werde er inzwischen häufig angesprochen, und seine „Standardantwort“, sagt er dann, sei: „Ich liebe Nastassja Kinski. Klaus Kinski kannte ich nicht, bevor diese Geschichten aufkamen. Ich habe aber auch nichts dagegen. Er war sicher eine spannende Person, und es ist nicht das Schlechteste, mit so jemandem verglichen zu werden.“ Kinski war es also nicht, der ihn zur Schauspielerei brachte. „Das ist eher eine Erfindung von Journalisten“, sagt der Einzelgänger.

 

Was war es dann? „Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, in der Kultur eine große Rolle spielte.“ Noch mehr war aber der Musicalfilm „Fame“, der damals in den Kinos lief und die Geschichte von nach Freiheit und Ruhm strebenden jungen Leuten erzählt, die eigentliche „Initialzündung“ für seinen Berufswunsch. So wollte er leben. So wollte er sein. Also ging er im zarten Alter von 19 Jahren nach New York. Spontan. Dort musste er allerdings feststellen, dass die 300 Dollar, die er in der Tasche hatte, gerade einmal für ein paar Tage reichten und ihm nicht die Ausbildung finanzierten, die er gerne absolvieren wollte. Also ging er Kellnern, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, besuchte den einen oder anderen Schauspielkurs, genoss in erster Linie das Leben und war nach eineinhalb Jahren, wie er heute sagt, „ausgebrannt“. „Irgendwann war es mir auch zu riskant, ohne Krankenversicherung zu leben. Außerdem bekam ich Sehnsucht nach Berlin, nach der deutschen Sprache und meiner Familie.“

 

Zurück in der Heimat ging alles recht schnell. „Mit ein bisschen Glück“, wie er bescheiden sagt, bekam er ein Engagement an einem kleinen Theater in Berlin, die Karriere nahm ihren Lauf. Heute lebt der Sohn einer deutschen Journalistin und eines russischen (!) Diplomaten in Berlin, zum ersten Mal in einer eigenen Wohnung. „Ich bin jetzt fett über 30 und entwickle langsam Heimeligkeiten. Früher hätte ich jederzeit meine zwei Kisten packen und weggehen können. Das kann ich jetzt nicht mehr. Aber irgendwann hatte ich das Bedürfnis, die Tür zu meiner Wohnung auf- und vor allem zuzumachen.“

Men’s Magazine, April 2003 (Stephanie Thyssen)

DER JUNGE MANN UND DER MOND

Nuttenmörder, Psychopathen, Gangster. Die Rollenschublade für Irre, Schurken und Killer scheint für Victor Schefé reserviert zu sein. Und welcher Vergleich fällt den Kritikern dann immer wieder ein? Richtig: Klaus Kinski. Inzwischen ist man sich allgemein darüber einig, dass Kinski eine Macke hatte. Aber wie ist das bei Victor Schefé? Wir sitzen in einem Charlottenburger Lokal mit dem verheißungsvollen Namen Götterfreuden. Schefé wohnt um die Ecke. „Ich habe von Klaus Kinski nie etwas gesehen, bis diese Vergleiche anfingen“, sagt er. Das müssen wir mal glauben, denn aufgewachsen ist ist der 32-Jährige in der DDR. Drüben hatten die doch nichts, weder Nescafé noch Kinski. Dafür Manne Krug, immerhin, aber den haben sie ja rausgeschmissen. Victor Schefé übrigens auch. Der Sohn eines Russen und einer Radiojournalistin hatte einen Ausreiseantrag gestellt. Mit 15 hat er einen amerikanischen Film gesehen: „Fame – Der Weg zum Ruhm“. Von da an wusste er, was er wollte: nach New York. Denn da beginnt er schließlich, der Weg zum Ruhm. Das kommt also davon, wenn man sich Filme vom Klassenfeind ansieht.

 

Schefé bestellt Karottensaft. Kann man sich Kinski, den Meister der hohen Kunst der Tobsucht, mit Karottensaft vorstellen? Versuchen wir es mit anderen Vergleichen. Die Kritiker sind da nicht verlegen: Brandauer und Oskar Werner, Gerd Voss und Woody Natural Born Killer Harrelson sind auch im Angebot. Schefé lächelt mit seiner breiten Entenschnute. „Das sind ja nicht die schlechtesten Namen, die da fallen. Alles Leute mit einer immensen Kraft. Ich vermute, dass sie privat genauso sind wie ich: eher zurückgenommen, sehr ausgeglichen.“ Zurückgenommen, ausgeglichen? Jetzt können wir Kinski endgültig vergessen. „Der ist eh ein Phänomen“, tröstet Schefé und setzt einen geradezu philosophischen Satz hinzu: „Das bin ich nicht, und ich kann kein anderer sein.“ Schefé also.

 

Der etwas stechende Blick, die übergroße Nase, der züngelnde Mund, das hagere Gesicht, dessen Muskeln zu erstaunlicher Akrobatik fähig sind – mit der Physiognomie muss man Karriere machen. Victor Schefé war der Elefantenmann. Anders als John Hurt im Film von David Lynch brauchte er keine Maske und schaffte es doch, wie ein Kritiker begeistert schrieb, „mit wenigen Gesten und etwas Minenspiel all das Leid, die Sehnsucht und die Freuden eines Todkranken“ darzustellen. Die Rolle im Theater am Kurfürstendamm war 1991 nach einigen Engagements in Berliner Off-Theatern Schefés Durchbruch. Jetzt folgte großes Theater: das Wiener Schauspielhaus und die Wiener Festwochen. Film und Fernsehen mit Polizeiruf 110 und „Das Leben ist eine Baustelle“.

 

Der Weg zum Ruhm begann für Jung-Victor tatsächlich in New York. Anders als die Protagonisten in Fame, anders auch als Liza Minelli und Al Pacino, geht der damals 18-Jährige DDR-Flüchtling allerdings nicht auf die berühmte Fiorello La Guardia High School of Music, Art and Performing Arts, sondern besucht Schauspielklassen an der New York Acting School. Er verdient sein Überleben mit einem geradezu klassischen Schauspielerjob. „Ich habe gekellnert“, sagt er und beobachtet fachmännisch, wie die Bedienung ein einsames Weinglas vom Nachbartisch räumt. Dabei blieb manchmal nicht viel Zeit für die Acting School. Zurück in Berlin, will er die Schauspielerei doch noch richtig lernen. In der HdK-Aufnahmeprüfung schafft er es bis in die letzte Runde. Dann merkte er, dass es wohl doch nichts für ihn war. Ein Regisseur war auf ihn aufmerksam geworden und so spielte er in Off-Theatern. Nebenbei zeigte sich, dass die Zeit in New York nicht ganz umsonst gewesen war: Er kellnerte. In der Roten Harfe am Heinrichplatz etwa oder im Schöneberger Hafen. Dort ist er übrigens eines der Engelchen an der Decke und damit verewigt. Der Weg zum Ruhm läuft manchmal ein wenig irre. Weil Schefé hervorragend russisch spricht, wird er von Casting-Agenturen immer wieder gerne als Russe besetzt. Dabei wollte er eine Zeit lang weder Russen noch Killer spielen. Es kamen andere Angebote. Doch das langweilte ihn. „Die schrägen Typen sind einfach interessanter.“ Einen Vollmondmörder spielte er auch schon, in der SAT1-Serie Kommissar Rex.

 

Und der Mond hat es ihm tatsächlich angetan, schließlich widmet er seinen ersten Soloabend dem Erdtrabanten. Ein Stück Mond hatte im Mai im BKA Premiere. Mit seiner samtig-tiefen, angenehmen Stimme trägt er von Tom Waits` Grapefruit Moon bis Celentanos La Mezza Luna haufenweise Mondlieder aus Rock und Pop vor und fügt noch ein paar eigene hinzu. „Es gibt ja diesen schönen Satz von Ulla Meinecke: Alle Schauspieler lieben die Musik, aber selten liebt die Musik die Schauspieler.“ Ulla Meinecke ist übrigens eine gute Freundin von Schefé. Ebenso wie Andreja Schneider von den Geschwister Pfister. Mit letzterer hat er vor acht Jahren schon einmal ein musikalisches Programm zusammengestellt. „Musik ist von allen Kunstrichtungen die, die mich am meisten rührt und interessiert“, gesteht Schefé. „Gerade wenn du wie ich von der Bühne kommst, brauchst du dieses Adrenalin, diesen Live-Moment, dass auch was schief gehen kann.“ Warum spielt er dann seit einigen Jahren nicht mehr Theater? „Am Film drehst du halt vier, fünf Wochen und dann ist das vorbei. Für eine Theaterproduktion muss ich vier Monate meines Lebens komplett für die Produktion `drangeben. Das finde ich unverhältnismäßig.“ Ganz so reizlos kann Theater für ihn nicht sein. Schefé kommt in Beichtlaune: „Ich habe ein Stück in der Tasche, ein französisches Stück“, verrät er. Welches? Nein, so weit reicht es dann doch nicht mit der Beichtlaune.

 

Vielleicht aber das noch: „Ich bin kein Mannschaftssportler. Als Kind war ich Leichtathlet: Sprint, Sprung, zuletzt Hochsprung. Immer wenn wir Fußball spielen mussten, wollte ich ins Tor, da konnte ich wenigstens alleine sein. Ich bin kein Ensembletyp.“ Das klingt jetzt doch nach Kinski. Aber Schefé legt keinen Wert darauf, sich das Leben zu komplizieren. Eigentlich mag er das Kellnern ganz gern. „Das hat so was Normales: Zwei Bier. O.K., zwei Bier, neun Mark: Ansagen, Reagieren, Wegstellen. Das find ich gut. Vielleicht mache ich irgendwann einmal ein Restaurant auf.“ Schefé als Gastronom? „Mein Leben hat sich immer aus Zufällen entwickelt. Aus denen habe ich dann was gemacht oder nichts gemacht.“ Eine geradezu buddhistische Erkenntnis.

Leonce 03/2001 (Friedhelm Teicke)

THEATER IST ANSTRENGEND UND WELTFREMD

Vor drei Jahren schien das Kapitel Theater für Victor Schefé erst einmal abgeschlossen. Vier Jahre hatte er sich am Wiener Schauspielhaus in die erste Garde vorgearbeitet, an Angeboten mangelte es nicht, aber „es war nichts Spannendes dabei“, erzählt Schefé, und das klingt nicht einmal überheblich oder wählerisch. „Theater ist anstrengend und komplett weltfremd“, sagt er. „Theater hat mich selten berührt, Filme manchmal, am meisten aber schafft das Musik.“ In den vergangenen Jahren spielte Schefé in TV-Krimis und -Serien und in Kinofilmen wie „Fandango“ und „Das Leben ist eine Baustelle“. Der 32-Jährige mit der hager-schlaksigen Gestalt ist gut im Geschäft. In den Casting-Büros führt man ihn im Zweifelsfalle in Rubrik „Irre und Mörder“. Sein Gesicht ist nicht das, was man branchenüblich als schön bezeichnet, aber eindrucksvoll: ein von dicken Lippen eingeschlossener Mund, eindringliche Augen und ein asketischer, bisweilen teuflisch-wahnsinniger und dann wieder unschuldiger Gesichtsausdruck. Es sind die schillernden, die zerbrechlichen und zerbrochenen Figuren, die Schefé am liebsten spielt: Menschen auf der Kippe.

 

Er selbst wirkt bodenständig, mit einem unbändigen Tatendrang. Schefé ist einer, der sich selber den Weg bereitet und die Zufälle dabei zu greifen weiß. Aufgewachsen in Rostock hatte er bereits mit 16 gewußt: er will raus aus der DDR. Die Jahre der Gängeleien, Intrigen und der Lügen, sagt Schefé, waren seine Schauspielschule. Als er volljährig war, genehmigte man ihm den Ausreiseantrag. Schefé wollte dorthin, wo sein damaliger Lieblingsfilm „Fame“ spielte: also ab nach New York. Als Kellner verdiente er sich Tanz- und Schauspielkurse, aber auch Gesangsunterricht. Gemeinsam mit Andreja Schneider von den Geschwistern Pfister hatte er schon einmal eine Musikshow auf die Beine gestellt, damals 1993 am Berliner Stükke-Theater. Jetzt knüpft er wieder daran an und verwirklicht einen Wunschtraum, nämlich Rio Reisers „Junimond“. Eigentlich wollte er das Lied einfach nur als CD aufnehmen, aber dann kam ihm die Teeniband Echt zuvor. Aber wie immer kommen bei Schefé Wunsch und Zufall zusammen. Er macht nun einen ganzen Mond-Abend daraus. Der reicht von „Fly me to the moon“ bis zum „Moon over Bourbon Street“, verpackt in eine lockere Bühnengeschichte. „Eigentlich hatte ich gerade vor Musikern immer einen Riesenrespekt und hätte mich nie getraut, selbst als Sänger auf die Bühne zu treten. Aber dann habe ich gemerkt: Die kochen auch nur mit Wasser.“ Singen, sagt er, ist einfach nur eine Form der Sprache.

Berliner Zeitung 02.05.2001 (Axel Schock)

VICTOR SCHEFÉ: EIN MANN WIE KINSKI

Anfang Oktober bekam der „Lukona“-Versenker und Mörder Udo Proksch im Grazer Gefängnis überraschenden Besuch. Victor Schefé, ein junger deutscher Schauspieler, wollte den Mann kennenlernen, der das Vorbild für die Rolle des Kron war, mit der er während des „Steirischen Herbstes“ brillierte. Das Stück von Alexander Widner war zwar durchgefallen, die Kritik aber hatte dem jungen Schauspieler uneingeschränktes Lob gezollt: „Allein Victor Schefé brillierte an diesem Abend.“ Die Rolle des undurchsichtigen „Tigers mit Charme“ hat den 30jährigen Schauspieler gereizt. Schillernde Figuren, die mit Überraschungen aufwarten, liegen ihm. „In diesen Rollen fühle ich mich am besten aufgehoben“, gesteht Schefé, der sein Handwerk übrigens in New York gelernt hat. Dazu gehört auch der Part in Jo Henschels „Edgar Wallace: Whiteface – Der Teufel von Tidal Bassin“. Anfang des Jahres stand er dafür in London vor der Kamera. „Da mache ich dann die Kinski-Nummer“, lacht er. Fotos zeigen, daß er den großen Kinski gut studiert hat. Der Hauch von Wahnsinn steht ihm.

 

Undurchschaubar ist auch der Part, den er im neuen „Sperling“ übernommen hat. Er spielt einen mordverdächtigen Maler. Die Dreharbeiten brachten eine neue Erfahrung für Schefé: „Ich durfte zum ersten Mal vor einem Ölbild stehen und wild rummalen.“ Allerdings ist der Sohn eines russischen Diplomaten und einer deutschen Journalistin nicht nur auf Bösewichte spezialisiert. Unter der Regie von Hajo Gies spielte er im August in dem ProSieben-Thriller „Die Handschrift des Mörders“ einen Kommissar.

 

Die Theaterarbeit in Graz war eine Herausforderung, die überraschend auf ihn zugekommen war. Der Schauspieler aus Leidenschaft sprang für einen Kollegen ein und hatte nur zweieinhalb Wochen Zeit, den Text zu lernen, um sich die Rolle anzueignen. „Das war Hochleistungssport“, erinnert er sich. Deshalb ist Victor Schefé froh, jetzt erst einmal eine Pause einlegen zu können. Er wird sie ganz unspektakulär in seiner Berliner Wohnung genießen: „ich werde Bücher lesen, ins Kino gehen, viele neue CDs kaufen und Musik hören.“ Und was für CDs legt er auf? „Soulmusik. Gesungen von schwarzen Frauen mit schönen Stimmen, wo ich immer Gott durchhöre.“ Es klingt wie das Bekenntnis eines Schwärmers.

GONG 42/1998 (Monika Herrmann)

B.i.N. – BERLIN IM NOVEMBER

D 2011, 93 Minuten
Regie, Buch & Produktion: Victor Schefé, Kamera & Schnitt: Anna Pesavento
Premiere: Oktober 2011 in Berlin, US-Premiere: Oktober 2011 in San Francisco, Asien Premiere: Dezember 2011 in Bangalore / Indien

„Awful rainy cold weather, I hate it“, sagt eine Passantin, als man sie nach ihren Assoziationen zum Thema „Berlin im November“ fragt. Ähnlich würden die meisten reagieren, fragte man sie nach dem grauesten aller grauen Monate, zumal im kalten Berlin. Umso überraschender, dass „B.i.N. – Berlin im November“, ein dokumentarisches Filmessay zum Thema, ein launiger Streifen ist, der durch seine Nähe zum Berliner Novemberalltag überzeugt. Wie lebt, wie liebt, wie isst, wie leidet und wie kleidet sich der Berliner im November? Dem Schauspieler Victor Schefé gelingt es in seinem Regiedebüt, seinen Interviewpartnern – darunter Annette Humpe und Dani Levy genauso wie die Rentnerin aus der Eckkneipe -, authentische wie überraschende Antworten zu entlocken. Schefé führt uns bis in den letzten Winkel der Stadt, zeichnet in den Episoden von der Straße und mit starker Bildsprache ein Porträt eines undankbaren Monats, den man sich lieber im angewärmten Kinosessel antut als live und wahrhaftig.“

Zitty 20/2011 (Jens Uthoff)

 

„B.i.N. – Berlin in November: Sollte Casey Affleck sich je entscheiden, all seine coolen Freunde zu versammeln und einen Film über Boston im Februar zu drehen, würde sein Werk eventuell wie dieser Dokumentarfilm aus sehen. Schefé, ein deutscher Schauspieler, geht von Interview zu Interview mit einigen von Berlins’ kreativsten Bürgern und zeigt uns mit seiner ansteckend schelmischen Art die Attraktionen des grauen „Lieblingsmonats“ in Berlin.“

Programmheft des 10. San Francisco Documentary Filmfestival, Oktober 2011

 

„B.i.N. ist kein politischer Film, eher ein Film mit politischem Bewußtsein. Victor Schefé läßt sich treiben und inspirieren von seinen Protagonisten und dem, was sie erzählen. Eine Liebeserklärung an Berlin und die Berliner, offen für ihre Macken und Ticks, wie auch für die Schönheiten der Stadt. „B.i.N. – Berlin im November“ ein Film, der lichte Augenblicke in die dunkle Jahreszeit bringen kann.“

RBB / zibb 20.10.2011

 

„ Die Botschaft des Kinoabends im Babylon war: wer Berlin im November aushält, der hat’s geschafft in dieser Stadt. Riesenapplaus für den Dokumentarfilm „Berlin im November“ von Victor Schefé. Der konnte sich nicht mit ins Kino setzen („Ich bin viel zu aufgeregt“), danach aber im „Kosmetiksalon Babette“ aller Lob genießen.“

BZ 20.10.2011

 

„“Berlin im November“ ist Victor Schefés grandiose Liebeserklärung an Berlin.“

BILD Berlin 21.10.2011

 

„… Er suchte und fand für seine 93 Minuten Berlin-Film Erhabenes und Skurriles. Was seiner Erfahrung nach in dieser Stadt allerdings auch besonders nah beieinander liegt. Wer die Premiere im Rahmen der Reihe „Neuer deutscher Film“ verpasst hat, kann „B.i.N.“ an den kommenden Abenden ohne die Ablenkung durch den Prominentenauflauf und das damit verbundene Blitzlichtgewitter im Babylon sehen.“

Berliner Zeitung 21.10.2011

 

Der Berliner Herbst als poetisches Stadtporträt 

Schauspieler Victor Schefé gibt mit „Berlin im November“ sein Regiedebüt

Berlin (dapd). „Ganz klar, Berlin ist männlich. Oder lesbisch.“ So ganz sicher ist sich Schauspielerin Alexandra Kamp bei der Antwort auf eine entsprechende Frage von Victor Schefé dann doch nicht. Für ihre Kollegin Suzanne von Borsody hingegen steht fest: Berlin ist eindeutig Zwitter. Für Chantal, Partyveranstalterin und Gastgeberin des „House of Shame“, ist die Stadt ganz schlicht „polymorph-pervers“. Es sind so simple wie ungewöhnliche Fragen wie jene nach Berlins sexueller Identität, die Victor Schefé für sein Regiedebüt Freunden, Kollegen wie auch Passanten auf der Straße stellte. Den ganzen November des Jahres 2009 war der Bühnen- und Filmschauspieler zusammen mit Kamerafrau Anna Pesavento durch die Stadt gezogen, um Auskünfte über Berliner Lieblingsorte und -worte sowie Lebensgeschichten und Momentaufnahmen einzufangen. Über ein Jahr saßen die beiden Filmemacher an 53 Stunden Rohmaterial, um daraus ihre poetischen Liebeserklärungen an Berlin zu fertigen. Am Donnerstag (20. Oktober) wird „B.i.N. – Berlin im November“ im Kino Babylon nun uraufgeführt, drei Tage später feiert der Film beim San Francisco Documentary Film Festival seine internationale Premiere. „Ich langweile mich so schnell. Nur zu drehen oder auf der Bühne zu stehen, das ist mir auf die Dauer zu dröge.“, sagt der Schauspieler, der aus Serien wie „Bewegte Männer“ und „Polizeiruf“ bekannt ist. Und warum ist das Regiedebüt dann ausgerechnet ein Dokumetarfilm geworden? „Ich bin zu faul, um Drehbücher für einen Spielfilm zu schreiben“, gibt er im dapd-Gespräch zu. Diese Direktheit kennzeichnet auch die Gespräche, die Schefé quer durch die Stadt geführt hat und die nun zu bisweilen überraschenden Assoziationsketten montiert sind. Er besuchte die Stadtbücherei am Kottbusser Tor mit Blick auf Junkies und türkische Gemüsehändler, Katzenfreunde auf der Kleintiermesse, filmte auf dem Trödelmarkt und bei einer Tango-Party. Kamerafrau Anna Pesavento interessiert sich bei diesen Exkursionen vor allem für die kleinen, gerne übersehenen alltäglichen Details: Straßenkehrer, die sich mit dem Herbstlaub abmühen, nächtliche Leuchtreklamen oder die brutzelnden Würste auf dem Grill der berühmten Kreuzberger Imbissbude „Curry 36“. Musikerin Annette Humpe verrät im Film ihre Lieblingsspeise: „Berliner Leber mit gebratenen Zwiebeln und Äpfel. Soll man ja nicht so oft essen, aber ein, zwei Mal im Jahr geb‘ ich mir das.“ Offenherziger und überraschender als die Statements der Prominenten sind zumeist zufällig eingefangene Interviews mit Nachtschwärmern und Menschen in der U-Bahn. „Gerade die Leute, die nicht auf uns vorbereitet waren, haben irrsinnig schnell ihr Herz aufgemacht und ohne Scheu los geplappert“, stellt Schefé fest. „Vielleicht lag es daran, dass wir das kleinste Team der Welt waren oder dass die Leute mich kannten und womöglich mochten“. Das Gesicht des gebürtigen Rostockers könnte bis Ende November in ganz Europa bekannt sein. Dann nämlich wird die erste Staffel der internationalen TV-Produktion „Borgia“ in den ersten von über 40 Ländern gesendet sein. Schefé spielt in diesem Historiendrama über den Aufstieg einer spanischen Adelsfamilie in der Renaissance, das seit Anfang der Woche im ZDF ausgestrahlt wird, den päpstlichen Zeremonienmeister.

dapd 19.10.2011 (Axel Schock)

 

B.i.N. - Berlin im November - Poster © Catrin Schmitt

RADIO VICTOR – LIVE

Victor Schefé & Band
Bar jeder Vernunft, Berlin
Premiere April 2009

„Wer Victor Schefé bislang nur als Schauspieler kannte, der hat eine wichtige Facette seiner Person versäumt. Der Mann mit dem einprägsamen Gesicht ist nämlich ein ausgezeichneter Sänger und vor allem Conférencier. Und so hat er sich denn auch eine eigene Radioshow gebastelt, in der diese Rolle ausleben kann. Anstatt diese einfach über den Äther zu jagen, setzt Victor Schefé noch einen oben drauf und macht aus seiner Radioshow eine Live-Sendung mit Studiogästen und vor Publikum. Zwischen amüsanten Plaudereien gibt es immer wieder Songs zu hören, die zur Hälfte vom Meister selbst geschrieben sind.“

Radio Eins, April 2009

„Victor Schefé sind in der letzten Zeit ein paar seltsame Dinge passiert. Damit er deshalb nicht komisch im Kopf wird und plötzlich merkwürdige Interviews gibt wie Angelina Jolies Ex-Mann Billy Bob Thornton, hat er ein Ventil gesucht und im Songschreiben gefunden. Der blonde Schlaks mit den blauen Augen hat auch gleich noch einen eigenen Radiosender gegründet.

Nun verströmt „Radio Victor – Live“ in der samtplüschigen Bar jeder Vernunft mit einem kleinen verschrammelten Holztisch, einem extrem bequemen Schreibtisch-Sessel und einer mitgebrachten Thermoskanne für Heißgetränke den anarchischen Charme früherer Piratensender. Schefé selbst strahlt beim Anblick des herumstehenden Vinyls, legt schon mal ganz altmodisch eine Single auf und lässt Maria Callas für einen kurzen Moment eine Arie trällern. Begleitet von seiner Band, greift er aber vor allem selbst zum Mikro und singt mit tiefer, sonorer Stimme.

Wer den Schauspieler schon in seinem letzten Programm „Ein Stück Mond“ erlebt hat, weiß, dass er als Sänger aus jedem Lied eine wahre Geschichte macht. Und sei sie noch so verrückt. Zu seinen eigenen Songs zählen Bissiges wie „Böse alte Männer“ und Trash-Poetisches wie „Strohblumenstrauß“. Schefé, den man vor allem als abgedrehte „Waltraud“ aus der TV-Comedy-Serie „Bewegte Männer“ kennt, entfesselt einen musikalisch-suggestiven Rausch zwischen Coolness und närrischer Überspanntheit, der Spaß macht.“

Berliner Morgenpost 15.04.2009 (Ulrike Borowczyk)

 

„Hier spricht Radio Victor. Es ist jetzt ziemlich genau 20.17 Uhr.“ Ein Großstadtmensch in Jeans und Kapuzenpulli betritt die Bühne der Bar jeder Vernunft und singt „030- Kokain-Vitamin-Adrenalin-Berlin“. Dazu lässige Bewegungen, laszives Lippenlecken, der schnelle Griff durchs blonde Haar. Victor Schefé, als Sohn eines Russen und einer Deutschen in Rostock geboren, wird als Schauspieler gern in der Rolle des Ostblock-Bösewichts besetzt. Jetzt sitzt er als Radiomoderator live im Studio von – so der Titel seiner zweiten Show – „Radio Victor – Live“.

Er zieht eine Platte aus der Kiste und erzählt mit bassiger Stimme die Geschichte von Gaby, dem Mauerblümchen aus Blankerode. Verliebt in Peter, der nur Augen für Carola hat. Doch dann gehen die Düsen an, Schefés Band hebt ab und Gaby fliegt, ja sie fliegt – er streckt die Arme aus – und landet direkt im Park. „Gaby wartet im Park“, sang schon Udo Jürgens. Aber worauf eigentlich? Schefé weiß es. Mit verspiegelter Pornobrille intoniert er den „Popstarsong“: „Du kochst mit Wodka/Ich bin dir verfallen/Du bist mein Popstar/Dieser Song muss knallen.“

Es folgt der „Strohblumenstrauß“, eine Ballade, bei der das Trommeln des Herzschlags langsamer und langsamer wird, bis man die Luft anhalten möchte. Schefé beherrscht das Leise und das Laute… Die dreiköpfige Band ist toll, mühelos jongliert sie mit Ska, Rock, Pop, Chanson und lässt keine Bälle fallen. Dann: Sendepause… 

Der Tagesspiegel 09.04.2009 (Julia Boeck)

 

Wenn schon Radio live, dann richtig. Das heißt: mit Werbepausen. Aber keine Angst, die gehören bei Victor Schefé, anders als das nervige Gequäke auf den echten Sendern, zum Allerbesten seiner Show. Schefés „Radio Victor“ spielt live eine fetzige Mischung aus Rock’n’Roll, Jazz, Rhythm & Blues, versetzt mit einem Spritzer Talking Heads und garniert mit einer Portion Pankow.“

Zitty 07/2009

 

„Radio Victor -Live“ ist das aktuelle Programm von Schauspieler und Sänger Victor Schefé in der Bar jeder Vernunft – mit Liveband, Musik, Moderation. Hat mit echtem Radio nicht sehr viel zu tun, ist aber ein höchst interessanter Blick hinter die Kulissen, denn schließlich ist Radio ja Kopfkino und da darf sich jeder sein eigenes Bild malen. Radio zum Angucken – in diesem Fall eine wirkliche Freude fürs Auge!“

104,6 RTL Radio Berlin 17.04.2009 (Gerlinde Jähnicke)

 

„Sollten Sie sich an die SAT1-Serie „Bewegte Männer“ erinnern, spielte darin dann Victor Schefé die Rolle der „Waltraut“, ansonsten mimt der talentierte Schauspieler und Sänger gerne mal Psychopathen, Bösewichte und Mörder. Mit „Radio Victor“ hat er sich ein ganz eigenes Format geschaffen, die Radiosendung ohne Sendemast. Schefé moderiert, plaudert mit Gästen und – singt! Wobei er sich streng an die 50/50-Quote hält: 50 Prozent eigene Songs und der Rest ist Jazz, Rock & Blues von Patti Smith bis Pankow. Ein Highlight!“

TIP 02.04.2009

„’Und jetzt empfängt Sie Radio Victor’ – so heißt das allerdings nicht werbefreie Programm, das Victor Schefé & Band seit gestern in der Bar jeder Vernunft bieten. Da singt der Moderator noch selbst und das Grußwort zum Sendebeginn schreibt niemand geringerer als der Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.“

RBB Kulturradio 08.04.2009

Radio Victor - Live - Poster © Catrin Schmitt

Radio Victor Jingle

EIN STÜCK MOND

Victor Schefé & Band
BKA (Berliner Kabarett Anstalt) Berlin
Premiere Mai 2001

„Programmheft, erster Satz: „Ach nö, schon wieder so’n Schauspieler, der singt!“ Der Texter hat erraten, was uns ad hoc einfällt. Muss der vielbeschäftigte Darsteller sich nun auch musikalisch produzieren? Bei Victor Schefé ist ein klares Ja die richtige Antwort.

Der große Blonde mit den tiefblauen Augen hat sich dem Planeten zugewandt, der nur durch Lichtschein sichtbar wird. Der Mond ist es auch, der thematisch zusammenhält, was an Stilen selten in einem einzigen Konzert aufeinander trifft: Jazz, Rock, Pop sowie LatinoRhythmen, Chansons und sogar ein Lied mit volksmusikalischem Einschlag. Schefé singt deutsch, englisch, russisch und französisch. Trotz Sprachenvielfalt und Stilmix- es funktioniert. Man glaubt kaum, dass der Künstler von zarter Statur seine Stimmlage derart vom Bariton in den „Keller“ schicken kann, wo der edle Stoff für den kehlig-rauhen Whiskey-Sound gebunkert wird.“

Die Welt 16.05.2001

 

„Hier ist die Leichtigkeit des Seins spürbar und die Fröhlichkeit hat jenen winzigen Tick Wehmut, den man zum Überleben braucht. Jazzbesen vermischen sich harmonisch mit Piano und Bass. Die tiefe Stimme weiß: Auch Killer lieben Schnaps. Den Jackettkragen hochgeschlagen, den Blick düster und suchend gesenkt, singt der einsame blasse Wolf Stings Klassiker „Moon Over Bourbon Street“, während die Welt für kurze Zeit den Atem anhält. Endlich gibt es das ultimative Programm für alle Mondsüchtigen, ersonnen, produziert und im BKA präsentiert vom Schauspieler Victor Schefé und Band. „Ein Stück Mond“ – das heißt eintauchen, zuhören, wohlfühlen! Zweifler, die wieder nur an den vergeblichen Versuch eines Mimen auf dem steinigen Weg zu musikalischen Weihen glaubten, wurden bei der Premiere unter der Regie von Johannes Steinbrückner binnen Sekunden eines Besseren belehrt. Dieser Victor Schefé hat ein unerhört gutes Feeling für Songs. Einfach ein traumwandlerisch schöner Abend.“

Berliner Morgenpost 04.05.2001 (Ulrike Borowczyk)

 

„Es ist vor allem diese Stimme, die eine Charaktermaske nach der anderen aufsetzt, ohne darüber ihr eigenes Gesicht zu verlieren: Ein leichtes Prononcieren der Konsonanten hier, ein sinnlich rauchiger Anstrich dort, mehr bräuchte es eigentlich nicht, um vom schnapstrunkenen Elendsidyll des „Säufermondes“ zur Night-hawk-Loneliness des „Moon over Bourbon Street“ hinüberzuwechseln. Ein großer Chansonnier im Werden, der leider noch in einem Schauspieler steckt.“

Der Tagesspiegel 06.05.2001

„Es ist eine wagemutige Songauswahl, die Victor Schefé getroffen hat, diverse Stile- Jazz, Latin, Funk, Chanson. Aber es geht immer um den Song, jeder eine Perle für sich, jeder eine intensive Lebenserfahrung in drei Minuten. Und obwohl die Band so traumwandlerisch sicher und elegant von einem Musikstil in den nächsten gleitet, findet sich beim Interpreten immer ein wenig diese erwartungsvoll-melancholische Grundstimmung. Es gibt immer mehr als nur eine Dimension zu entdecken, im Song wie im richtigen Leben.“

Süddeutsche Zeitung 10.05.2001 (Matthias Frings)

Ein Stück Mond - Foto © Edith Held

STARS IN BARS

Andreja Schneider & Victor Schefé
Stükke Theater, Berlin
Premiere Mai 1993

„Kurz und knapp ist die Zugabe, höchstens vier Zeilen, eine Empfehlung ans Publikum: „Live your life gaily“. Dann verschwinden Andreja Schneider und Victor Schefé endgültig aus der Bar – Understatemant ist hier Pflicht, da mag das Publikum noch so begeistert sein. Haben die beiden nicht gerade in einem ebenso dichtgedrängten Programm gezeigt, was dem droht, der zu lange im Scheinwerferlicht, vor allem: in der Bar verweilt?

Minutenlang tobt draußen sogar der Broadway: In einem hinreißenden Duett geben die beiden Cole Porters Gassenhauer „You’re the Top“. Ihre vollen Stimmen geben es her, vor allem das komödiantische Know-how der beiden Schauspiel-Sänger. Sinniert sie als melancholische, gereifte Barsängerin über die tiefere Bedeutung von Champagnerblasen, so poliert er mit Duldermine Sektkelche. Wie schafft es Victor Schefé nur, sein Gesicht in so unendlich viele Falten zu plissieren?“

Der Tagesspiegel 29.05.1993 (Tanya Lieske)

Stars in Bars - Poster © Fokke Hoekman